Gas im Winter 2026/27: Versorgung gesichert, Preise bleiben Risiko
Von Ron Boschert · 27. Oktober 2026 · Lesezeit ca. 2 Min.
Deutschland geht mit vergleichsweise niedrigen Gasspeicherständen in die Heizsaison. Trotzdem sieht die Bundesregierung derzeit keine Anzeichen für eine drohende Gasmangellage. Für Haushalte ist das eine gute Nachricht. Eine Entwarnung bei den Heizkosten bedeutet es allerdings nicht.
In einer am 20. Oktober veröffentlichten Antwort auf eine parlamentarische Anfrage erklärt die Bundesregierung, dass auch im kommenden Winter Preisspitzen möglich bleiben.
Damit zeichnet sich für die Heizperiode 2026/27 eine besondere Situation ab: Die Versorgung gilt als ausreichend abgesichert, während Erdgas auf dem Weltmarkt weiterhin teuer gehandelt werden kann.
Genug Gas trotz niedriger Speicherstände?
Am 13. Oktober befanden sich nach Regierungsangaben rund 149 Terawattstunden Erdgas in den deutschen Speichern. Diese Menge lag bereits über dem gesamten Gasvolumen, das im vergangenen Winter aus den Speichern entnommen wurde.
Hinzu kommen laufende Lieferungen über Pipelines sowie Flüssigerdgasimporte. Allein über Pipelines erreichen Deutschland nach Angaben der Bundesregierung derzeit mehr als zwei Terawattstunden Erdgas täglich.
Die Speicher sind also nicht die einzige Grundlage der Versorgung. Entscheidend ist, dass Importe, gespeicherte Mengen und der tatsächliche Verbrauch zusammenpassen.
Warum der Gaspreis trotzdem hoch bleiben kann
Die vergangenen Monate haben gezeigt, wie empfindlich der internationale Gasmarkt auf politische Konflikte reagiert. Einschränkungen wichtiger Lieferwege und zusätzliche Nachfrage können die Beschaffung verteuern.
Eine aktuelle Untersuchung des Beratungsunternehmens WSP verdeutlicht zudem, dass Europa zwar beim Strom unabhängiger von Erdgas geworden ist, dieser Fortschritt aber nicht automatisch bei Gasheizungen ankommt. Mehr Solarstrom kann tagsüber den Einsatz teurer Gaskraftwerke reduzieren. Ein Haushalt mit Gastherme benötigt dagegen weiterhin Erdgas zum Heizen.
Für 2027 bleibt deshalb offen, wie sich die Einkaufspreise der Versorger entwickeln und in welchem Umfang höhere Kosten an private Haushalte weitergegeben werden. Die entscheidende Nachricht vor dem Winter lautet somit: Eine Gasknappheit wird derzeit nicht erwartet, höhere Heizkosten sind aber weiterhin möglich.
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