Gaspreise 2027: Bis zu 145 Euro mehr durch neue Netzgebühren
Von Ron Boschert · 2. November 2026 · Lesezeit ca. 3 Min. · aktualisiert am 28. Oktober 2026
Wer mit Gas heizt, kennt das Problem: Die Rechnung kann steigen, obwohl sich am eigenen Verbrauch kaum etwas geändert hat. Für 2027 zeichnet sich nun ein weiterer Kostenanstieg ab. Diesmal geht es nicht um den Einkaufspreis von Erdgas, sondern um die Gebühren für die Gasleitungen.
Neue Berechnungen zeigen, wie unterschiedlich die Belastung ausfallen kann. Während ein Musterhaushalt im Bundesdurchschnitt mit rund zwölf Euro zusätzlichen Netzkosten pro Jahr rechnen muss, beträgt der vorläufige Anstieg in einem untersuchten Netzgebiet in Nordrhein-Westfalen rund 145 Euro. Die Unterschiede sind enorm. In anderen Teilen Deutschlands sollen die Gebühren sogar sinken.
Die Zahlen beruhen auf einem Jahresverbrauch von 15.000 Kilowattstunden. Sie machen deutlich, dass der Wohnort für die Gasrechnung 2027 eine größere Rolle spielen könnte, als viele Verbraucher vermuten.
Warum die Gasleitung plötzlich mehr kostet
Auf der Gasrechnung tauchen Netzentgelte meist nicht als eigenständige Forderung des Netzbetreibers auf. Sie sind bereits im Gastarif enthalten. Mit diesem Geld wird unter anderem der Betrieb der Leitungen, der technischen Anlagen und der Messinfrastruktur finanziert. Wie hoch die Gebühren ausfallen, hängt vom jeweiligen Netzgebiet ab. Für 2027 zeigen die bislang veröffentlichten Zahlen deutliche Ausschläge. Im Netzgebiet der Stadtwerke Wesel steigen die vorläufigen Gasnetzentgelte für den betrachteten Haushalt um etwa 32,5 Prozent. Das entspricht rund 145 Euro brutto im Jahr.
Anders sieht es im thüringischen Mühlhausen aus. Dort ergibt sich rechnerisch eine Entlastung von rund 78 Euro. Solche Unterschiede können entstehen, weil Netzbetreiber verschiedene Kosten tragen und unterschiedlich große Mengen Gas durch ihre Leitungen transportieren.
Hinzu kommt eine Entwicklung, die Gasheizungen langfristig teurer machen könnte: Wenn weniger Gebäude Erdgas nutzen, müssen die verbleibenden Kunden möglicherweise einen größeren Anteil der laufenden Netzkosten tragen. Die Leitungen verschwinden schließlich nicht automatisch, sobald einzelne Haushalte auf andere Heizsysteme umsteigen.
Steigt jetzt überall die Gasrechnung?
Nein. Die neuen Zahlen betreffen zunächst nur die Netzentgelte, nicht den vollständigen Gaspreis. Ein Haushalt kann trotz steigender Netzgebühren einen günstigeren Gastarif bekommen, wenn beispielsweise die Beschaffungskosten sinken. Umgekehrt können höhere Einkaufspreise die Rechnung zusätzlich verteuern.
Auch die veröffentlichten Gebühren für 2027 sind noch vorläufig. Die untersuchten Netzgebiete decken rund 77 Prozent des Gasnetzgebiets in Deutschland ab. Für die übrigen Gebiete lagen zum Zeitpunkt der Auswertung noch nicht alle entsprechenden Daten vor. Trotzdem gibt es bereits eine wichtige Erkenntnis: Eine bundesweite Prognose sagt wenig darüber aus, was einzelne Haushalte im kommenden Jahr tatsächlich bezahlen.
Wer eine Gasheizung nutzt, sollte deshalb auf die Preisankündigung seines Versorgers achten und bei einer Erhöhung die gesamten Jahreskosten prüfen. Dabei zählen nicht nur der Arbeitspreis je Kilowattstunde, sondern auch der Grundpreis und mögliche Vertragsbedingungen. Wie sich die angebotenen Gastarife am eigenen Wohnort unterscheiden, lässt sich mit unserem kostenlosen und unverbindlichen Gasrechner prüfen.
