Pressemitteilung

Gaspreis-Studie: Ob der Einkauf steigt oder fällt, die Gasrechnung sinkt nicht

10. September 2026

Ob der Gaseinkauf in den kommenden Jahren teurer oder billiger wird, entscheidet über die Gasrechnung deutscher Haushalte weit weniger, als man annehmen würde. In beiden Fällen hat der Haushaltspreis nach unten kaum Luft. Das ist das Ergebnis einer Studie zur Gaspreisentwicklung, die gasvermittlung.de heute veröffentlicht. Sie verbindet eine amtliche Preisreihe, die bis 1985 zurückreicht, mit der eigenen täglichen Tariferhebung des Hauses und mit den Projektionen, mit denen die Bundesregierung selbst rechnet.

Zwei Rechnungen, ein Ergebnis

Am Terminmarkt zeigt sich derzeit das eine Extrem. Der richtungsweisende europäische Kontrakt TTF stieg am 9. September 2026 auf bis zu 79,11 Euro je Megawattstunde, den höchsten Stand seit Ende 2022. Anfang Juli hatte er noch bei gut 40 Euro gelegen. Auslöser ist die Zuspitzung der Lage im Nahen Osten: Der katarische Staatskonzern QatarEnergy hat seine Produktion wegen der Lage an der Straße von Hormus weitgehend heruntergefahren.

Die amtliche Projektion beschreibt das andere Extrem. In den Rahmendaten des Umweltbundesamtes fällt der Großhandelspreis von 45 Euro je Megawattstunde im Jahr 2025 auf 21 Euro im Jahr 2030, also auf weniger als die Hälfte. Diese Rechnung stützt ihren Terminmarkt-Teil allerdings auf Futures mit Abrufdatum 26. September 2025 und bildet damit die Erwartung von vor einem Jahr ab, nicht die Lage von heute.

Für einen Haushalt führen beide Wege zum selben Schluss. Wird der Einkauf billiger, wie das Umweltbundesamt rechnet, sinkt der Preis auf der Rechnung trotzdem kaum: Die Netzentgelte je Kilowattstunde steigen in derselben Projektion von 2,7 Cent im Jahr 2025 auf 6,8 Cent im Jahr 2050, der CO2-Preisaufschlag im selben Zeitraum von 1,1 auf 5,0 Cent. Beides zusammen zehrt den billigeren Einkauf auf. Bleibt der Einkauf dagegen so teuer wie zurzeit, steigt die Rechnung erst recht.

Dahinter steht ein Zusammenhang, der den Gasmarkt vom Strommarkt unterscheidet: Ein Gasnetz kostet weitgehend gleich viel, unabhängig davon, wie viel Gas hindurchfließt. Wenn der Verbrauch sinkt, verteilen sich dieselben Kosten auf weniger Kilowattstunden. Wer aus dem Gas aussteigt, macht es für die übrigen teurer. Dieser Effekt ist bereits messbar: Die Gasnetzentgelte sind 2026 im bundesweiten Schnitt um rund elf Prozent gestiegen.

(Quellen: TTF-Notierung nach einer Meldung der Deutschen Presse-Agentur vom 9. September 2026. Großhandels- und Endverbrauchspreise: Umweltbundesamt, „Rahmendaten und Endverbrauchspreise für die Treibhausgas-Projektionen 2026″, 3. Auflage, Mai 2026, Tabellen 5 und 12, Abnahmefall Haushalte mit 20 bis 200 Gigajoule Jahresverbrauch, Werte in Preisen von 2024 und bezogen auf den unteren Heizwert.)

Eine Preisreihe ab 1985, und warum sie nicht vom Statistischen Bundesamt kommt

Die Studie zeigt den Gaspreis für Haushalte in Halbjahresschritten seit 1985. Die amtliche deutsche Gaspreisstatistik beginnt erst mit dem zweiten Halbjahr 2019 und ist für eine Betrachtung über Jahrzehnte zu kurz. Eurostat führt dieselbe EU-weite Erhebung, an die auch das Statistische Bundesamt liefert, mit dem vollständigen Vorlauf.

Die Reihe stammt aus den Eurostat-Datensätzen nrg_pc_202_h und nrg_pc_202, jeweils einschließlich aller Steuern und Abgaben. Sie ist an einer Stelle nicht nahtlos: 2007 wechselt sie das Verbrauchsband, beide Datensätze liegen an diesem Punkt 0,16 Cent auseinander. Die Studie weist diesen Bruch aus, statt ihn zu glätten. Aus derselben Reihe ergibt sich die Gliederung in fünf Phasen, von den billigen Neunzigern über die Ölpreisbindung der 2000er Jahre bis zur Energiekrise und der Normalisierung danach.

Vier Szenarien, jedes mit offengelegter Rechnung

Die Studie schreibt den heutigen Marktdurchschnitt in drei eigenen Szenarien fort und stellt ihnen die amtliche Projektion gegenüber. Ausgangswert ist der Marktdurchschnitt von 11,93 Cent je Kilowattstunde für 2026 aus der BDEW-Gaspreisanalyse August 2026, bezogen auf ein Einfamilienhaus mit 20.000 Kilowattstunden Jahresverbrauch. Jedes Szenario nennt seine Annahme, deren Herkunft und die Formel. Keines ist eine Vorhersage.

  • Gaspreis folgt der Inflation (2,0 Prozent im Jahr): 12,91 Cent im Jahr 2030, 15,74 Cent im Jahr 2040.
  • Langfristiger Trend seit 1985 (3,14 Prozent): 13,50 und 18,39 Cent.
  • Trend seit 2000 (4,81 Prozent): 14,40 und 23,03 Cent.
  • Projektion des Umweltbundesamtes, real in Preisen von 2024: 10,81 und 13,33 Cent.

Die amtliche Projektion liegt niedriger, weil sie real rechnet und nicht nominal. Die Studie rechnet beide Bezugsgrößen offen ineinander um, statt sie unkommentiert nebeneinanderzustellen. Dasselbe gilt für eine zweite Umrechnung: Die amtliche Tabelle rechnet je Kilowattstunde Heizwert, die Gasrechnung dagegen nach dem Brennwert. Zwischen beiden liegen rund elf Prozent.

Der CO2-Preis ist die entscheidende Unbekannte

Beim Gas trifft der CO2-Preis die verbrannte Kilowattstunde unmittelbar. Die Studie rechnet den Zusammenhang vollständig vor: Eine Kilowattstunde Erdgas verursacht 0,201 Kilogramm CO2, je Euro Preis pro Tonne entfallen damit 0,0201 Cent netto auf die Kilowattstunde. (Emissionsfaktor nach Brennstoffemissionshandelsgesetz und Brennstoffemissionshandelsverordnung, Deutsche Emissionshandelsstelle; Umrechnung eigene Berechnung.)

Der Preispfad, mit dem das Umweltbundesamt rechnet, sieht ab 2027 einen jährlichen Anstieg um 15 Euro je Tonne vor, bis auf 275 Euro im Jahr 2040. Bei einem Verbrauch von 20.000 Kilowattstunden wären das rund 1.316 Euro im Jahr allein für CO2. (Preispfad: Umweltbundesamt, Rahmendaten 2026, Tabelle 8, nominale Werte; Umrechnung auf die Kilowattstunde eigene Berechnung.)

Diese Annahme ist bereits von der Wirklichkeit überholt, und die Studie sagt es dazu: Das Bundeskabinett hat am 12. August 2026 den Entwurf eines Dritten Gesetzes zur Änderung des Brennstoffemissionshandelsgesetzes beschlossen, nach dem der Preiskorridor von 55 bis 65 Euro je Tonne auch 2027 gilt. Der europäische Emissionshandel für Gebäude und Verkehr wurde auf 2028 verschoben. Das Umweltbundesamt hat beides in seinen Rahmendaten ausdrücklich noch nicht berücksichtigt, weil die Beschlusslage nicht abgeschlossen ist.

Der Gasmarkt-Report: laufende Auswertungen zum Zitieren

Neben der Studie führt gasvermittlung.de unter Gasmarkt-Report die laufenden Auswertungen aus der eigenen Erhebung. Sie stehen unter der Creative-Commons-Lizenz CC BY 4.0 und tragen jeweils einen fertigen Zitiervorschlag, in dem Rechenregel, Stand und Adresse bereits enthalten sind.

  • Gaspreisbarometer. Wöchentlich erhobener Bundeswert aus 100 fest gewählten Postleitzahlen in allen 16 Bundesländern, bevölkerungsproportional gezogen. Gemessen wird das Mittel der drei günstigsten Tarife mit Preisgarantie, ausdrücklich ohne Bonuszahlungen, getrennt nach zwölf und 24 Monaten Preisgarantie.
  • Tägliche Tariferhebung. Über 8.074 Postleitzahlen mit Gasnetz, im Mittel 134 Tarife und 58 Anbieter je Postleitzahl, bezogen auf 20.000 Kilowattstunden im Jahr. Die Werte auf den Seiten aktualisieren sich täglich; die hier genannten haben den Stand vom 10. September 2026.
  • Gaspreise je Bundesland und Wechselhebel. Der Wechselhebel misst nicht das Preisniveau, sondern den Abstand zwischen Grundversorgung und günstigstem Tarif. Er beantwortet damit die Frage, die sich beim Wechsel tatsächlich stellt, und hat eine andere Rangfolge als der reine Preisvergleich.
  • Ökogas, nach Merkmalen getrennt. Zugesagter Biogasanteil und Ausgleich der Emissionen an anderer Stelle werden getrennt ausgewiesen, samt Aufpreis und dem tatsächlichen Biogasanteil im jeweils günstigsten Tarif. Ökogas ist kein geschützter Begriff, und beide Merkmale bedeuten Unterschiedliches.
  • Gewerbegas. Eigene Erhebung mit dem Gewerbe-Lastprofil in drei Verbrauchsstufen, dazu ein Vergleich beider Lastprofile an denselben Standorten und am selben Tag.
  • Zusammensetzung des Gaspreises. Wiedergabe der BDEW-Gaspreisanalyse mit der Angabe, welche Stelle jeden Bestandteil festlegt.

Methodik und Angebot an Redaktionen

Die Studie rechnet nur drei Größen selbst, und jede steht mit ihrer Formel auf der Seite: die durchschnittliche jährliche Wachstumsrate zwischen zwei Jahren, die Fortschreibung einer solchen Rate und die Wirkung eines CO2-Preises je Kilowattstunde. Alles andere sind übernommene Zahlen mit benannter Quelle. Wo eine Zahl fehlt, steht keine.

Zwölf Quellen sind einzeln ausgewiesen, darunter Eurostat, das Statistische Bundesamt, das Umweltbundesamt, die Deutsche Emissionshandelsstelle, die Bundesnetzagentur, das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle und der Bundesverband des Schornsteinfegerhandwerks.

Für Recherchen werten wir gezielt aus, was auf den Seiten nicht steht: einzelne Bundesländer, Landkreise oder Orte, bestimmte Verbrauchsgrößen, Tarifarten oder Zeiträume. Das Ergebnis kommt als Tabelle mit Methodikbeschreibung. Für redaktionelle und wissenschaftliche Zwecke ist das kostenlos.

Quellen dieser Mitteilung

  1. Eurostat, Gaspreise für Haushaltskunden, halbjährliche Erhebung. Datensätze nrg_pc_202_h (1985 bis 2007) und nrg_pc_202 (ab 2007), einschließlich aller Steuern und Abgaben. Dieselbe EU-weite Erhebung, an die auch das Statistische Bundesamt liefert. ec.europa.eu
  2. Umweltbundesamt, „Rahmendaten und Endverbrauchspreise für die Treibhausgas-Projektionen 2026″, 3. Auflage, Mai 2026, erstellt von Prognos. Großhandelspreise (Tabelle 5), Endverbrauchspreise für Haushalte im Band 20 bis 200 Gigajoule (Tabelle 12) und der angenommene CO2-Preispfad (Tabelle 8). Alle Werte in Preisen von 2024. umweltbundesamt.de
  3. BDEW-Gaspreisanalyse August 2026, Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft. Marktdurchschnitt und Zusammensetzung des Gaspreises für ein Einfamilienhaus mit 20.000 Kilowattstunden. bdew.de
  4. Deutsche Emissionshandelsstelle im Umweltbundesamt, nationaler Emissionshandel nach Brennstoffemissionshandelsgesetz. Emissionsfaktor für Erdgas und gesetzliche Preisstufen. dehst.de
  5. Drittes Gesetz zur Änderung des Brennstoffemissionshandelsgesetzes, vom Bundeskabinett am 12. August 2026 beschlossen. bundesumweltministerium.de
  6. Bundesverband des Schornsteinfegerhandwerks, Erhebungen 2025. Bestand an Gasfeuerungsanlagen. schornsteinfeger.de
  7. Notierung des Terminkontrakts TTF vom 9. September 2026, nach einer Meldung der Deutschen Presse-Agentur.
  8. Eigene Erhebung gasvermittlung.de. Tägliche Abfrage real lieferbarer Gastarife über alle Postleitzahlen mit Gasnetz, dazu das wöchentliche Gaspreisbarometer über 100 fest gewählte Postleitzahlen. Rechenregeln unter Methodik und Transparenz.

Alle in dieser Mitteilung genannten Fortschreibungen sind eigene Berechnungen auf Grundlage der genannten Quellen. Die vollständigen Rechenwege stehen in der Studie.

Über gasvermittlung.de

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