Gasspeicher nur zu 60 Prozent gefüllt: Reicht das für den Winter?

Von Ron Boschert · 23. Oktober 2026 · Lesezeit ca. 2 Min. · aktualisiert am 18. Oktober 2026

Nur rund 60 Prozent: So voll sind Deutschlands Gasspeicher Mitte Oktober. Angesichts der bevorstehenden Heizperiode ist das eine Zahl, die zunächst wenig beruhigend klingt. Schließlich steigt der Erdgasbedarf deutlich, sobald Millionen Haushalte ihre Heizungen einschalten.

Doch die Bundesnetzagentur kommt zu einer anderen Einschätzung, als die niedrigen Speicherstände vermuten lassen. Nach ihrer Lagebewertung vom 16. Oktober ist die Gasversorgung in Deutschland stabil. Das Risiko einer angespannten Versorgung bewertet die Behörde weiterhin als gering.

Die Speicher waren zu diesem Zeitpunkt zu 60,5 Prozent gefüllt. Das entspricht rund 149,6 Terawattstunden Erdgas und liegt deutlich unter den Werten vergleichbarer Zeiträume früherer Jahre.

Woher kommt das Gas, wenn die Speicher nicht reichen?

Deutschland bezieht Erdgas nicht ausschließlich aus unterirdischen Speichern. Ein erheblicher Teil gelangt laufend über Pipelines ins Land, beispielsweise aus Norwegen. Hinzu kommt Flüssigerdgas, das über LNG-Terminals importiert wird.

Allein zwischen dem 8. und 14. Oktober wurden nach Angaben der Bundesnetzagentur rund 17,1 Terawattstunden Gas über Pipelines und weitere 1,6 Terawattstunden über deutsche LNG-Terminals eingeführt. Für die Versorgung zählt deshalb das Zusammenspiel aus Importen, verfügbaren Speichermengen, Netzkapazitäten und tatsächlichem Verbrauch. Selbst ein niedrigerer Speicherstand als ursprünglich vorgesehen bedeutet nach Einschätzung der Behörde nicht zwangsläufig eine Versorgungskrise.

Die größere Sorge könnte der Gaspreis sein

Ausreichende Liefermöglichkeiten bedeuten allerdings nicht, dass Erdgas günstig bleibt.

Internationale Krisen, hohe Einkaufspreise und zusätzlicher Bedarf während eines kalten Winters können den Gasmarkt belasten. Wenn Versorger neue Mengen teuer beschaffen müssen, kann sich das später auch auf Haushaltskunden auswirken.

Wie schnell höhere Kosten weitergegeben werden, hängt von den Einkaufsstrategien der Versorger und den bestehenden Verträgen ab. Eine verbindliche Prognose für die Heizkosten dieses Winters lässt sich aus dem Speicherfüllstand allein deshalb nicht ableiten. Die aktuelle Einschätzung der Bundesnetzagentur liefert eine wichtige Unterscheidung: Die Gasversorgung gilt als gesichert, auch wenn das Preisrisiko bestehen bleibt.

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