Genug Gas im Speicher, aber keine Entwarnung beim Preis
Von Ron Boschert · 9. Oktober 2026 · Lesezeit ca. 2 Min. · aktualisiert am 5. Oktober 2026
Die Sorge vor einem kalten Winter ohne ausreichend Gas ist nach Einschätzung der Bundesnetzagentur derzeit unbegründet. Zwar sind die deutschen Gasspeicher niedriger gefüllt als in vielen früheren Jahren. Behördenchef Klaus Müller verweist jedoch darauf, dass bereits mehr Gas eingespeichert sei, als im gesamten vergangenen Winterhalbjahr aus den Speichern entnommen wurde.
Für Haushalte ist das eine wichtige Entwarnung bei der Versorgung. Es bedeutet aber nicht automatisch, dass Gas günstig bleibt. Genau hier liegt der Unterschied: Ein Land kann ausreichend versorgt sein und trotzdem mit hohen Marktpreisen kämpfen.
Versorgung ist nicht gleich niedriger Preis
Die Lage ist heute anders als in der Energiekrise 2022. Deutschland hat inzwischen zusätzliche Möglichkeiten, Gas zu beschaffen. Dazu gehören LNG-Terminals an der Küste und Lieferungen über europäische Pipelineverbindungen, etwa aus Norwegen. Das macht die Versorgung flexibler. Gleichzeitig reagieren die Gaspreise weiterhin empfindlich auf internationale Krisen, kalte Winterprognosen und niedrige Speicherstände. Wenn Händler Gas teurer einkaufen müssen, kann dieser Druck später auch bei Haushalten ankommen.
Entscheidend ist deshalb nicht nur, ob genug Gas vorhanden ist. Für Verbraucher zählt am Ende, zu welchem Preis es beschafft wurde und wann diese Kosten in Tarifen sichtbar werden.
Heizkosten bleiben schwer planbar
Viele Gaskunden merken höhere Marktpreise nicht sofort. Versorger kaufen Gas häufig langfristig ein. Dadurch können Preisbewegungen zeitverzögert bei Bestandskunden ankommen. Neue Tarife reagieren dagegen oft schneller auf gestiegene Beschaffungskosten.
Für Haushalte mit Gasheizung bleibt der Winter deshalb eine Rechenfrage. Wer einen hohen Verbrauch hat, spürt schon kleine Preisänderungen deutlich. Eine laufende Preisgarantie kann helfen, schützt aber je nach Vertrag nicht immer vor allen Kostenbestandteilen. Wichtig ist deshalb, die eigene Gasrechnung nicht nur über den monatlichen Abschlag zu beurteilen. Der tatsächliche Jahresverbrauch und der Arbeitspreis pro Kilowattstunde zeigen besser, wie teuer der kommende Winter werden kann.
Bei der Versorgung gibt es Entwarnung. Bei den Kosten sollten Gaskunden trotzdem aufmerksam bleiben. Für eine erste Einschätzung der jährlichen Gaskosten können Haushalte deshalb auf unserer Seite den Gasrechner kostenlos und unverbindlich nutzen.
