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Gas ausschreiben: Festpreis, Tranchen oder Spotbezug

Ab einer gewissen Menge wird der Gaspreis verhandelt. Die drei gängigen Beschaffungswege, wofür sie taugen, was der Lieferant für ein belastbares Angebot braucht und warum der Zeitpunkt ein eigener Preisfaktor ist.

Veröffentlicht: ·Von Ron Boschert·Lesezeit ca. 5 Min.
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Ab einer gewissen Menge kauft ein Betrieb Gas nicht mehr aus einer Liste, sondern lässt kalkulieren. Dabei ist der Preis nur die halbe Entscheidung. Die andere Hälfte ist die Frage, wann beschafft wird, und sie entscheidet darüber, wie stark Ihre Energiekosten im Vertragsjahr schwanken. Dieser Ratgeber beschreibt die drei gängigen Wege und wofür sie taugen.

Woher der Preis kommt

Gas für Deutschland wird am virtuellen Handelspunkt Trading Hub Europe gehandelt, die Preisreferenz ist der niederländische TTF. Ihr Lieferant kauft dort ein oder bei einem Vorlieferanten, der dort einkauft. Was Sie als Arbeitspreis sehen, ist dieser Einkauf plus Netzentgelte, Steuern, Abgaben, CO2-Preis und seine Marge.

Verhandelbar ist nur der Einkaufsteil. Alles andere steht im Netzgebiet für jeden Anbieter gleich hoch in der Rechnung. Deshalb geht es bei einer Ausschreibung im Kern um eine Frage: zu welchem Zeitpunkt und mit welchem Risiko dieser eine Teil festgelegt wird.

Festpreis

Der Lieferant kauft Ihre gesamte Jahresmenge zu einem Zeitpunkt ein und nennt Ihnen einen Preis für die Laufzeit. Sie wissen ab Unterschrift, womit Sie kalkulieren.

Was Sie bekommen: Planungssicherheit. Für ein Unternehmen, das Angebote mit kalkulierten Energiekosten abgibt, ist das oft mehr wert als ein paar Zehntel Cent.

Was es kostet: eine Prämie. Der Lieferant trägt das Risiko, dass er zu teuer eingekauft hat, und lässt sich das bezahlen. Zudem hängt alles an einem einzigen Tag. Fällt die Unterschrift in eine Preisspitze, zahlen Sie sie über die ganze Laufzeit.

Passt, wenn Ihre Kalkulation keine Schwankung verträgt, der Energieanteil an Ihren Kosten hoch ist oder Sie Festpreise an Ihre eigenen Kunden geben.

Tranchenbeschaffung

Ihre Jahresmenge wird in mehrere Teile zerlegt, und jeder Teil wird zu einem eigenen Zeitpunkt eingekauft, zum Beispiel vier Tranchen über zwölf Monate. Ihr Preis ist am Ende der Durchschnitt der Einkäufe.

Was Sie bekommen: einen geglätteten Einstandspreis. Sie treffen weder den besten noch den schlechtesten Tag, sondern landen in der Mitte. Das ist genau der Zweck.

Was es kostet: Aufwand und Entscheidungen. Jemand muss festlegen, wann die nächste Tranche gezogen wird, oder es läuft nach einem festen Plan. Außerdem steht Ihr Preis erst nach der letzten Tranche endgültig fest, Sie kalkulieren bis dahin mit einem Zwischenstand.

Passt, wenn Sie eine größere Menge beschaffen, Preisschwankungen abfedern wollen und jemanden haben, der das begleitet.

Spot- oder indexbasierter Bezug

Sie zahlen nicht einen festen Preis, sondern den Marktpreis einer Abrechnungsperiode, meist den Monatsindex, plus einen vereinbarten Aufschlag.

Was Sie bekommen: im langjährigen Mittel meist den niedrigsten Preis, weil Sie keine Risikoprämie zahlen. Sie profitieren unmittelbar, wenn der Markt nachgibt.

Was es kostet: jede Marktbewegung landet auf Ihrer Rechnung, und zwar sofort. Die Jahre 2022 und 2023 haben gezeigt, wie groß dieser Ausschlag werden kann. Wer den Spotbezug wählt, muss ihn finanziell aushalten können, nicht nur rechnerisch.

Passt, wenn der Energieanteil an Ihren Gesamtkosten klein ist, Sie Rücklagen haben und Preisschwankungen an Ihre Kunden weitergeben können.

Der Zeitpunkt ist ein eigener Preisfaktor

Bei Gas ist der Beschaffungszeitpunkt keine Nebensache. Derselbe Vertrag ist im Sommer für den kommenden Winter ein anderes Geschäft als im Dezember für denselben Winter. Dazu kommt die Lage am Markt: Im September 2026 notierte der TTF-Frontmonat auf dem höchsten Stand seit Ende 2022, nachdem er Anfang Juli noch bei gut der Hälfte gelegen hatte. Wer in dieser Woche einen Zehnjahresfestpreis unterschrieb, hat eine Spitze festgeschrieben.

Daraus folgt kein Ratschlag, sondern eine Vorgehensweise: Holen Sie Angebote mit einer klaren Gültigkeitsdauer ein, vergleichen Sie sie am selben Tag, und entscheiden Sie innerhalb dieser Frist. Angebote aus verschiedenen Wochen nebeneinanderzulegen vergleicht Marktbewegungen und nicht Anbieter.

Was der Lieferant für ein belastbares Angebot braucht

  • Die Jahresmenge je Abnahmestelle, aus der letzten Abrechnung und nicht geschätzt.
  • Den Verbrauchsverlauf, wenn er vorliegt. Eine Hallenheizung, die im Januar das Zehnfache des Julis zieht, muss anders beschafft werden als ein Prozess, der das ganze Jahr dasselbe Band braucht. Je genauer der Verlauf, desto kleiner der Risikoaufschlag.
  • Die Postleitzahl jeder Abnahmestelle, denn Netzentgelt und Lieferbedingungen hängen am Netzgebiet.
  • Den gewünschten Lieferbeginn und die Laufzeit.
  • Bekannte Veränderungen, etwa einen Anbau, eine neue Schicht oder einen geplanten Heizungstausch. Wer sie verschweigt, bekommt einen Preis für einen Betrieb, den es im Vertragsjahr nicht mehr gibt.

Mehrere Standorte gemeinsam ausschreiben

Mehrere Abnahmestellen in einem Vorgang anzufragen bringt in der Regel mehr als jede einzeln. Zwei Gründe: Die Gesamtmenge ist größer und damit interessanter, und der Lieferant hat nur einen Vorgang. Dabei lohnt der Blick, welche Stelle den Durchschnitt hebt. Liegt eine davon in einem Netzgebiet mit hohen Entgelten, ist das kein Verhandlungsthema, aber eine Erklärung.

Worauf im Vertrag zu achten ist

Unabhängig vom Beschaffungsweg entscheiden dieselben Klauseln über die tatsächlichen Kosten: der Korridor für Mehr- und Minderabnahme, der Umfang der Preisgarantie, die Kündigungsfrist und die automatische Verlängerung. Was dahintersteckt, steht im Ratgeber Gewerbegas-Vergleich.

Ab wann sich der Aufwand lohnt

Unterhalb von 200.000 Kilowattstunden im Jahr ist die Menge in der Regel zu klein, um einen Vertrieb zu beschäftigen; dort vergleichen Sie schneller und oft genauso gut im Gewerbegas-Rechner. Darüber sind beide Wege richtig, und ab einer Million Kilowattstunden gibt es online gar keinen Vergleich mehr. Was dann passiert und wie Sie ein gerechnetes Angebot bekommen, steht unter Industriegas.

Eine Einordnung, wohin Einkauf, Netzentgelte und CO2-Preis in den nächsten Jahren laufen, steht in unserer Studie zur Gaspreisentwicklung in Deutschland. Für eine Entscheidung über die Laufzeit ist das die wichtigere Zahl als der heutige Arbeitspreis.

Dieser Beitrag stammt aus der Redaktion von gasvermittlung.de. Wir arbeiten redaktionell unabhängig und finanzieren uns über Vergütungen der Wechselportale, wenn über unsere Seite ein Vertrag zustande kommt. Auf unsere Inhalte hat das keinen Einfluss. Angaben zu Preisen und Rechtslage können sich ändern, maßgeblich sind immer die Angaben Ihres Anbieters.